Leserbrief zum Artikel "Flüchtlinge im Burgenlandkreis"
Mitteldeutsche Zeitung vom 2.11.2015, Lokalausgabe Zeitz

  1. Den rechtsextremen Kräften im BLK steht kein linkes Gegengewicht gegenüber, etwa kraftvolle Bürger-Bündnisse oder eine Antifa? „Die Kultur der Gleichgültigkeit im Burgenlandkreis macht es Thiel und anderen einfach, hier im Kreis zu agitieren“?

    Hat die BRD die DDR eingegliedert oder nicht? Wurden alte Nazis in der BRD gehätschelt und gepflegt, haben sie die BRD in Politik, Exekutive einschließlich Sicherheitsorganen, Justiz, Militär und Wirtschaft an maßgeblicher oder sogar führender Stelle aufgebaut und geprägt oder nicht?

    Langjährige Diffamierung, Behinderung und Verteufelung antifaschistischer und linker Positionen und Aktivitäten im öffentlichen Leben der BRD bis in unsere Tage hinein zeitigt selbstverständlich Folgen. Erst recht nach dem Untergang der DDR.

  2. Naheliegenderweise entstehen immer Spannungen oder sogar Konflikte, wenn fremdländische Menschen – aus mitunter völlig anderen Kulturen – auf vorhandene Gesellschaftsstrukturen mit anderen Werteordnungen treffen. Die neuen Minderheiten nehmen aber immer – das ist empirisch gesicherte Erfahrung - sehr gern und und äußerst bereitwillig die anderen Wertvorstellungen der Mehrheitsgesellschaft an – sogar entschieden unkritischer und klagloser als die allermeisten Mitglieder der Mehrheitsgesellschaft. Dies jedoch nur unter der Bedingung, daß sie dort echte Lebens- und Entwicklungsperspektiven und wahre Lebenschancen für sich erkennen gegenüber ihren Ursprungsgesellschaften. Anderenfalls tritt das Gegenteil ein. Da helfen keine Willkommenssprüche.

    Bietet die heutige BRD den heutigen Einwanderern solche perspektivischen Möglichkeiten? Kann sie das heute noch leisten wie seinerzeit mit den ersten Einwanderern der Nachkriegsjahre? Wird in der BRD wahre Integration der Einwanderer anstatt ihrer Vernutzung für wirtschaftliche Interessen überhaupt von den Mächtigen beabsichtigt? Was ist unter diesem Aspekt zu halten von jenen Stadtvierteln westdeutscher Großstädte oder des ehemaligen Westberlin, in denen nahezu ausschließlich Einwanderer oder Ausländer leben, teilweise sogar mit nur einer weit oder sehr weit überwiegenden einzigen nationalen Mehrheit? Zeugen derartige Zustände von weitsichtiger verantwortungsbewußter und menschenfreundlicher Politik?

    Die Ergebnisse dieser Politik erleben wir gegenwärtig – und das ist erst der Anfang!

    Zudem: Niemand sollte über unangenehme Folgen erschrecken oder sich auch nur darüber verwundert die Augen reiben, wenn der ungehinderte und insbesondere der ergebnisoffene Meinungsaustausch gegensätzlicher Auffassungen unterbunden wird, wenn Zweifler und besorgte Fragesteller, anstatt eindeutige Antworten zu erhalten, ignoriert, abgewatscht oder verleumdet werden. So beseitigt man Zweifel nicht und so beantwortet man Fragen nicht, verstärkt sie vielmehr bis hin zum flammenden Protest. So wird Feindseligkeit und Totalverneinung bei allen Beteiligten produziert. Wer will das?

ORTZ

   
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