Die Montagsdemo Zeitz hatte vor wenigen Monaten entschieden, in die Zeitzer Innenstadt umzuziehen, um öffentlichkeitswirksamer ihre Anliegen zu vertreten. Dies mißfällt einigen Leuten sehr. Ich berichtete bereits über einen Zeitungsartikel, demzufolge einige Innenstadthändler die Montagsdemo anscheinend für den jämmerlichen Zustand der Zeitzer Innenstadt – wohl eher: für fehlende Kunden - verantwortlich zu machen versuchten. Solche Anschuldigungen beantworteten wir mit einer einstimmig beschlossenen Erklärung. Offenbar akzeptieren Stillhaltestrategen nicht, wenn Kritiker das Grundrecht auf Meinungsfreiheit nutzen wollen, um gefährliche und zerstörerische gesellschaftliche Entwicklungen zu attackieren. Entwicklungen, welche sich u. a. auch auf Innenstadthändler überaus schädlich auswirken - durch fehlende Kunden beispielsweise. Man fragt sich unweigerlich, was die WEITER-SO-ANHÄNGER in den vergangenen 25 Jahren gelernt haben. „Ruhe ist die erste Bürgerpflicht“ war jedoch immer schon falsch und verlogen!


Am 30.07.2014 erschien zu diesem Thema folgender Leserbrief in der Mitteldeutschen Zeitung:

 

Kein Erfolg, sondern Misserfolg

Zum Beitrag: Protest im Zentrum, MZ vom 25. Juni, Seite 9:

Als Dauerleser verfolge ich nun schon seit Beginn der Montagsdemonstration die "Erfolgsgeschichte" von bisher mehr als 475 Auftritten. Tatsächlich sind es aus meiner Sicht aber keine Erfolge, sondern Misserfolge in ununterbrochener Reihenfolge, was die Beteiligung betrifft.

Kann man denn eine Teilnehmerzahl von zwölf, 15 oder geringfügig mehr noch als Demonstration bezeichnen? Ich glaube nicht, eher würde das Ganze alt "Interessengemeinschaft für Dauerproteste" bezeichnen, denn sonst müsste man ja zum Beispiel bei 1 000 Demonstranten wirklich schon von einem Volksaufstand reden.

Diese montäglichen Sprechblasen locken heute keine Katze mehr hinter dem Ofen hervor. Wäre das Elend wirklich so groß, dann kämen die Leute massenweise. Aber dem ist erfreulicherweise nicht so, also gibt es dafür auch keinen Rückhalt in der Bevölkerung.

Der bisherige Standort Schützenlatz war schon kritisch, was die Lärmbelästigung durch Mikrofon, Lautsprecher und Musik betraf. Aber die jetzige Entscheidung, den bisherigen Standort in die Innenstadt zu verlegen, bleibt aus gutem Grund nicht ohne Protest und Ärger der Innenstadthändler, Verkäufer und Kunden.

Die wenigen, die es noch gibt, werden nun Montag für Montag unter "Dauerbeschuss" genommen, was Lärm, Mikrofon-Sprechblasen und Musik anbelangt. Für die Montagsdemo-Organisierer spielt es dabei keine Rolle, dass jeder Ladenbesitzer darum kämpft, zufriedene Kunden in Ruhe zu bedienen und dabei gleichzeitig noch sein Risiko im Auge behalten muss, dass auch die monatliche Ladenmiete, die Mitarbeitergehälter und alle anderen Unkosten pünktlich zu zahlen sind. Und er will auch noch überleben.

Die Montagsdemonstranten kümmert das überhaupt nicht, für die scheint das Wort Risiko ein Fremdwort zu sein. (Wörtlich Demoorganisator Herr Moser: "Die Probleme der Innenstadt gibt es länger als die Demos im Zentrum.").

Für die Montagsdemonstranten kommt indes jeden Monat das Geld auf ihr Konto und bezeichnenderweise vom Arbeitsamt, vor dem sie auch noch mutig demonstrieren, frei nach dem Motto "Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass". Wenn die ersten Innenstadthändler dicht machen, sucht man sich eben wieder einen neuen "Tatort", alles ohne Risiko!

Beim Fußball gäbe es längst die rote Karte.

Dieter Vogel, Bad Schwalbach

 

Dieser Herr Dieter Vogel - ganz offensichtlich ein Anhänger der „Faulheitstheorie“, derzufolge alle Arbeitslosen per se faul sind und sich nur ein bißchen anstrengen müßten, um Arbeit zu finden – trägt keine neuen Erkenntnisse vor. Bereits im Jahr 2011 – damals unter Osterfelder Adresse – sonderte ebenfalls ein Herr Dieter Vogel ähnlichen Schwachsinn ab (Wer demonstriert, kann auch pflücken), mit dem wir uns während der 343. Montagsdemo auseinandersetzten. Im 343. Demobericht kann das nachlesen, wer möchte.

Wir möchten diesen Leserbrief vom 30.07.2014 nicht unbeantwortet lassen:

 

Eine andere Sicht als Herr Dieter Vogel aus Bad Schwalbach
(Leserbrief, MZ. v. 30.07, Seite 9)

Die Anliegen der Montagsdemos: gesetzlicher Mindestlohn von 10 €/h lohnsteuerfrei, mindestens 500 € Eckregelsatz plus Kosten der Unterkunft für ALG-II-Bezieher, bis zur Realisierung dieser Forderungen ein Sanktionsmoratorium. Zudem fordern die bundesweite Montagsdemobewegung wie auch die Zeitzer Montagsdemos: Weg mit Hartz IV, für alle Arbeitslosen ein auf ihr letztes Netto-Arbeitseinkommen bezogenes zeitlich unbegrenztes Arbeitslosengeld bis zur Bereitstellung einer Arbeit, für ungelernte Arbeitskräfte ohne jede Ausnahme mindestens 10 €/h sozialversicherungspflichtig und lohnsteuerfrei, für qualifizierte Tätigkeiten eine entsprechend höhere Bezahlung, alles mit Inflationsanpassungsklausel gesichert. Diese Forderungen sind voll berechtigt und auch bezahlbar; die Lohn- und Rentenabwärtsspirale muß ein Ende haben. Die viel zu geringen Teilnehmerzahlen an den Montagsdemos ändern hieran nichts.

Absolut unzutreffend ist Herrn V.´s Behauptung „ Wäre das Elend wirklich so groß, dann kämen die Leute massenweise. Aber dem ist erfreulicherweise nicht so ...“. Die massiven Sicherheitsmaßnahmen an Jobcentern und ARGEN sowie die mitunter selbst tödlichen Attacken auf deren Mitarbeiter sprechen eine andere Sprache. Die Verzweifelten wählen aber die falsche Abwehrmethode, bei den Montagsdemos wäre ihre Gegenwehr angebrachter. Ein anschauliches Bild der wirklichen Stimmung im Lande vermittelt ebenso die allgemeine Wahlbeteiligung. Übrigens: Auch der Existenzkampf der Zeitzer innenstädtischen Händler würde zweifellos von Erfolgen der Montagsdemo profitieren.

Peter Moser
(Montagsdemo Zeitz, Offener Runder Tisch Zeitz)

   
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