Der Landesrechnungshof kritisiert, im Schwarzbuch des Steuerzahlerbundes wird aufgedeckt und nun ist es auch anderswo zu finden: in wirtschaftlichen – und nicht etwa religiösen - Bereichen werden direkte oder indirekte Bezüge zu Martin Luther hergestellt und zum 500. Jahrestag seines Thesenanschlages in Wittenberg. Luther und die Ökonomie? Der gute Bruder Martin, 95 Thesen verfaßte er, vergaß aber leider eine wesentliche, sie könnte ungefähr lauten: Ihr sollt nicht treiben Schindluder mir zu Ehren. Nun gut, er hätte sich wohl auch gar nicht vorstellen können, daß heute, 500 Jahre später, richtig viel Geld über die Tische geht – und darunter hindurch wohl ebenfalls. Dabei dürften sogar die in Wittenberg verbratenen Millionen als Peanuts gelten.

Interessieren würde es schon, wieviel Geld seit Jahren bundesweit, staatlich oder EU-finanziert, als Fördergelder für Maßnahmen ausgegeben wird, welche wie hier im BLK angeblich der Vorbereitung der Lutherdekade 2017 dienen sollen oder die mit sonstigen wohlklingenden Bezeichnungen benannt werden und welche – wie man betont – Arbeitssuchenden Beschäftigung ermöglichen sollen. Aber vermutet werden darf, daß von Milliarden gesprochen werden kann. Und wozu diese Geld-Ausgaben?

Wenn behauptet wird, mit diesem vielen Geld werden in großem Stil Arbeitsplätze verhindert oder zum Schaden regulär beschäftigter Arbeitskräfte sogar vernichtet, dann findet diese Ansicht zunächst hier in Zeitz und Umgebung durchaus reichlich Nahrung.

Was ist davon zu halten, wenn 1-Euro-Jobber öffentliche Straßenränder pflegen oder in Parkanlagen Bäume und Sträucher beschneiden? Diese Frage kann sich jeder selbst beantworten – insbesondere unter dem Aspekt, ob diese Arbeiten der für 1-Euro-Jobber gesetzlich vorgeschriebenen Zusätzlichkeit genügen – nämlich keine regulären wiederkehrenden Aufgaben zu sein, welche ja ausschließlich dem ersten Arbeitsmarkt zustehen.

Dies gilt gleichfalls für Hausmeisterdienste in öffentlichen Einrichtungen, Küchenpersonal in Kindergärten, Reinigungsaufgaben in öffentlicher Pflicht, ehemals durch sogenannte Bürgerarbeiter und nunmehr durch in „Entgeltmaßnahme Tätigen“ verrichtet. Dies mit dem Ergebnis, daß bereits etablierte Unternehmen bzw. Dienstleister und deren Beschäftigte um ihre Existenz kämpfen – nicht selten auf verlorenem Posten, d. h. vergeblich.

Mit Blick auf derartige Vorgänge wohl nicht nur hier in Zeitz ist die Feststellung nicht falsch, schon im Sektor öffentliche Pflichten allein gibt es richtig viel Arbeit, welche teilweise schon vor längerer Zeit dem ersten Arbeitsmarkt vorsätzlich entzogen wurde und diesem nun dauerhaft vorenthalten wird. Fraglos nutzen dies auch kirchliche Einrichtungen, teilweise durch staatliche Förderprogramme unterstützt. Auch da werden reguläre Arbeitskräfte „eingespart“, indem u. a. Maßnahmeteilnehmer sie ersetzen und deren Tätigkeiten ausführen.

Es ist überhaupt nicht witzig, feststellen zu müssen, ohne diese geförderten Maßnahmen hätten wir allein in der Stadt Zeitz ca. 100 reguläre Arbeitsplätze mehr – und die müssen wieder her.

Und was Luther angeht: eine 97. These hätte die Erhaltung von Arbeitsplätzen im Bereich öffentlicher Aufgaben fordern müssen, anstatt deren Vernichtung im Namen des Luther-Gedenkens!

Gernot Rink

   
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