Zu: Zoll verstärkt Kontrollen, MZ, Ausgabe Zeitz, v. 06.10.2017, Seite 12

Über den sogenannten Mindestlohn zu diskutieren ist müßig. Seine „Höhe“ führt zu Arbeitseinkommen, welche selbst bei Vollzeittätigkeitallenfalls nur geringfügig Aufstockungen der Jobcenter übersteigen. Diese „Höhe“ spricht deutlich für die Meinung, daß Lohngerechtigkeit ihm eben nicht zugrunde liegen soll und Mindestlohn ausschließlich eingeführt wurde, um die staatlichen Sozialausgaben zu senken. Dieses „soziale“ Machwerk schafft seinen Empfängern keinen gerechten Lohn. Allerdings: sie zahlen jetzt ihre Sozialabgaben selbst, was ihnen einen Anspruch auf Altersrente - unter 400 € - sichert!

Die Vorteile dieses Mindestlohnes liegen daher also ausschließlich beim Staat, dessen Sozialausgaben sinken. Folgerichtig verstärkt ebendieser Staat seine Mühen, um nun auch jene Sünder aufzuspüren, welche mittels illegaler Beschäftigung oder Schwarzarbeit immer noch versuchen, soziale Pflichten zu umgehen. Und wo schauen die Zöllner hin?Verzeihung, die Frage muß hier richtigerweise anders lauten, nämlich: Wo schauen die Zöllner von FKS – der „Finanzkontrolle Schwarzarbeit“ - nicht hin oder eher weg?

Sehen wir uns dazu doch einmal in öffentlichen Liegenschaften, Grünflächen, Parks, Wäldern usw. um. Wen sehen wir dort – zumeist gleich gruppenweise – arbeiten? Sieh an: „Hartzer“, Menschen in Maßnahmen der Jobcenter u. ä., arbeitend mit Motorsägen, mit Astscheren, immer dabei auch Hacken, Harken, Besen usw.Diese Menschen leisten echte Arbeit.

Es handelt sich dabei jedoch fast immer um Tätigkeiten, die – weil stetig wiederkehrend und nicht grundsätzlich nur einmalig anfallend – nach Gesetz und einschlägigen Gerichtsurteilen von 1-€-Jobbern nicht erbracht werden dürften. Dieses Kriterium gilt zweifelsfrei genauso für Gras mähen, Hecken verschneiden, Parks von Schmutz und Unrat befreien. Also für nahezu alle Beschäftigungen, bei welchen Menschen in Maßnahmen ständig zu sehen sind.

Dies ist nichts anderes als eine staatlich subventionierte und steuerfinanzierte Konkurrenzgegen Selbständige und überhaupt gegen gewerbliche Unternehmen. Und eben dies ist verboten für Beschäftigte in staatlich geförderten Maßnahmen! Beschäftigungen in solchen Maßnahmen dürfen keine Arbeitsplätze gefährden oder gar verhindern oder ersetzen; doch genau dies geschieht zigtausendfach imLand, wobei leider auch der BLK nicht die Ausnahme bildet.

Auch bei uns im BLK bedienen sich Städte und Kommunen dreist und ungeniert der Dienste von GESA, KÖSA oder der Zeitzer ZIAG; allesamt schädigen sie mittels 4-stelliger Beschäftigungszahlen massiv den regulären Arbeitsmarkt.

Warum sieht hier der Zoll nicht hin? Darf er das womöglich nicht?

Als gesicherte Tatsache darf doch gelten: Wenn Städte und Gemeinden durch den Einsatz von 1-Euro-Jobbern im Bereich ihrer Pflichtaufgaben Kosten einsparen, dann liegt dabei widerrechtliche, illegale Beschäftigung vor. Dann ist der Verdacht mehr als berechtigt wonach zumindest Lohndumping sowie Betrug bei Sozialversicherungsbeiträgen vorliegt.

Wonach die FKS üblicherweise fahndet, nichts anderes als dies findet täglich vor unser aller Augen ganz offiziell tausendfach statt. Und es wird obendrein noch vom Steuerzahler finanziert, welcher zugleich auch noch mit Milliarden € den Bestand der Jobcenter sichert, unter deren Aufsicht somit massiv geschädigt wird!

Verstärkte Kontrollen der FKS? Jawohl, die wären höchst wünschenswert und angebracht.Allerdings auch im Wirkungskreis kommunaler Maßnahmeträger, damit dieser mickrige Mindestlohnwenigstens auch jedermann bezahlt wird, dessen Leistungen dem öffentlichen Interesse unmittelbar dienen.

ORTZ

Karriere mal anders: vom Vorstandsvorsitzenden zur Pflegekraft.

shreriff 1 20160610 1933597625Allerdings: im von Dr. Kunze geschätzten Land der unbegrenzten Möglichkeiten verlaufen Karrieren eher entgegengesetzt. Nun gut, Zeitz, Sachsen-Anhalt, ist nicht Phönix, Arizona. Immerhin möchte unser Ex-OB dennoch bei uns hier in Zeitz seßhaft werden. Das muß man nicht verstehen, aber man kann.

Als Altenpfleger - dieser Beruf ist ihm aus früheren Zeiten nicht fremd - möchte er bei uns künftig wirken. Ist das nicht toll? Toll ist aber auch, welch ein Zufall, daß kürzlich punktgenau bei der Stiftung Seniorenhilfe die Stelle des Geschäftsführers vakant wurde. Im Klartext: der Vorstand sah wohl Gründe dafür, den Herrn Pruss-Delitzscher von seinen Aufgaben freizustellen. Aber entsprechende Berichte spiegeln nicht wieder, daß dieser Vertrag nicht sofort ausläuft. Herr Pruss-Delitzscher wurde beurlaubt. Noch also wird sein Gehalt aus dem Stiftungsbudget gezahlt. Welches Ziel hierbei der Vorstand verfolgte? Darüber kann nun lediglich spekuliert werden. Allerdings, die Spatzen pfeifen es seit der Zeitzer OB-Wahl von den Dächern, es gab da wohl einen Wunschnachfolger.

Sicherlich bedauert man nun die veröffentlichte Absage des Dr. Kunze, der, man staune, sich als ausgewiesener Verwaltungsfachmann nach eigenen Angaben dieser Aufgabe (als Geschäftsführer) nicht gewachsen sah. Stand der Dinge jetzt: die Stelle wird ausgeschrieben, ganz so, wie es sich gehört. Offen bleibt jetzt nur die Frage, warum Herr Pruss-Delitzscher kostenintensiv beurlaubt wurde. Haben jene Spatzen Recht, welche diese Personalentscheidung des Stiftungsvorstandes mit dem Ausgang der Zeitzer OB-Wahl in Verbindung bringen? Die Möglichkeit ist naheliegend, dass Herr Pruss-Delitzscher in Zeitz hätte bleiben können, wäre unser nun Ex-OB wiedergewählt worden.

Dies jedoch geschah nicht. Und so sucht Herr Dr. Kunze nun ein neues Wirkungsfeld. Als Altenpfleger möchte er nun arbeiten, im Seniorenstift. Hahaha, da waren wohl die bösen Gerüchte über den Austausch der Stiftungsleitung zu früh am Start, denn dies ist ohne öffentliche Ausschreibung nicht möglich, solche Gerüchte müssen natürlich dementiert werden.

Da verdingt man sich eben, weil einem Zeitz schließlich ans Herz gewachsen ist, als Altenpfleger bei der Stiftung. Ein Problem ist das nicht, so man Verbindungen hat - und die sind bestens.

Bleibt abschließend nur noch zu erraten, wo mittel- bis langfristig der Aufgabenbereich dieses doch speziellen Pflegers liegen wird. Denkbar, daß sich hier der Kreis wieder schließt. Selbstverständlich bieten sich in Zeitz attraktive Aufstiegsmöglichkeiten. Insbesondere dann, wenn, entsprechend dem guten alten Spruch, der Knabe selber an der Quelle sitzt.

Man halte die Nase in die Luft, riecht da etwas? Also: benutzte Mullbinden riechen so nicht. Vielleicht kann man ja bei der Stiftungsaufsicht in Halle diesen besonderen Duft einordnen.

G. Rink, Zeitz

Update:

Der Beitrag stand auch auf der Homepage der Mitteldeutschen Zeitung (MZ) unter Bürgerreporter/Zeitz. Der Text wurde durch redaktionellen Eingriff entfernt und der Verfasser mittels Email hiervon unterrichtet. Auf die Frage nach den Gründen antwortete die zuständige Mitarbeiterin:

Lieber Herr Rink,

das war die Stellungnahme der Lokalredaktions-Kollegen:

"Was Kunze angeht, so verdingt er sich nicht als Altenpfleger, sondern wird ehrenamtlich helfen. Und das in verschiedenen Bereichen. Die unterschwellige Unterstellung von Herrn Rink, dass Kunze schnell mal so zum neuen Chef der Seniorenhilfe aufsteigt, ist in der Zeitzer Zeitung auch ausführlich behandelt worden und Unsinn. Herr Pruß-Delitsch musste gehen (und ist auch nicht kostenintensiv beurlaubt worden, sondern hat in den verbleibenden drei Wochen bis zum Auslaufen seines Vertrages seinen gesetzlichen Urlaub genommen), weil er schlicht unfähig war. Es wird eine Ausschreibung geben."

Herr Kunze hat auch bereits angekündigt, rechtliche Schritte gegen Ihre Anschuldigungen und oft nicht klar belegbaren Aussagen unternehmen zu wollen. Wir können also nicht tolerieren, dass so etwas auf einer Plattform der Mitteldeutschen Zeitung ausgetragen wird.

Ist die Begründung für Sie nachvollziehbar?

Viele Grüße

Diana Serbe

 

2. Update:

Sehr geehrte Frau Serbe,

was Ihren Hinweis auf die Nachvollziehbarkeit der von Ihnen übermittelten "Fakten" angeht:

Nachvollziehbar ist für mich gegenwärtig, umsomehr nach der von der MZ-Lokalredaktion Zeitz beschriebenen Faktenlage, daß in dieser Angelegenheit ganz offensichtlich noch Recherchebedarf besteht. Nach meiner Wahrnehmung, auch aus Berichten der MZ resultierend, kann die Angabe nicht bestätigt werden, wonach das Dienstverhältnis von Herrn Pruss-Delitzsch als Geschäftsführer der Stiftung Seniorenhilfe Zeitz vertragsgemäß und regulär nach Ablauf der Dienstzeit endete. Dieses müßte regulär eigentlich am Jahresende der Fall sein. Womit freiwilliger Jahresurlaub als Überbrückung des gesamten Zeitraums eher nicht in Frage kommen dürfte. Aber anderseits widerspräche solche Überlegung den Quellen der Lokalredaktion!

Mutmaßlich werden datenschutzrechtliche Hürden wohl hier eine rechtlich haltbare Klarstellung verhindern. Schade. Sehr bedauerlich.

Somit bleibt dann leider für kritische Bürger diese Angelegenheit mit einem üblen Beigeschmack behaftet. Welcher sich noch dadurch verdichtet, daß maßgebliche Gremienteile die Möglichkeit hätten, ihrem Sheriff sogar wieder den Weg ins Zeitzer Rathaus zu ebnen.

Ganz eindeutig käme eine ehrenamtliche Tätigkeit bei der Stiftung Seniorenhilfe einem solchen Ansinnen unterstützend entgegen. Was spräche gegen diese Überlegung? Immerhin ist eher unwahrscheinlich, daß jemand seinen Wohnsitz nach Zeitz verlegt, um als Rentner hier ehrenamtlich tätig zu werden!

 

Mit freundlichem Gruß
Rink, Zeitz

Ehrung der Opfer für Gewaltherrschaft1 (Originale Mitteilung)

Am Sonntag, den 24. Januar 2016
an der Gedenkstätte am Bahnhof Rehmsdorf

Beginn: 9:30 Uhr

 Ablauf:

  1. Eröffnung (Thomas Heilmann, Obm. Rehmsdorf)

  2. Musikstück (Volksmusikschule Herr Werther)

  3. Das Projekt Gedenkstätte Rehmsdorf ( Frau Roßner-Sauerbier)

  4. Gedenkrede (Landrat des BLK Herr Götz Ulrich)

  5. Musikstück (Volksmusikschule Herr Werther?

  6. Bilanz des Außenlagers Rehmsdorf (Frau Roßner- Sauerbier)

  7. Ehrung der Opfer an der Gedenkstätte

  8. Musikstück (Volksmusikschule Herr Werther)

  9. Worte des Dankes (Lothar Czoßek. Leiter der Gedenkstätte)

 

[1] Notwendige Anmerkungen und Fragen:

Es waren Opfer des deutschen Faschismus! Warum werden sie als „Opfer für Gewaltherrschaft“ bezeichnet? Versehentliche Ungenauigkeit? Oder eher nicht versehentlich?

Immerhin bagatellisiert solcher Euphemismus die historisch beispiellose deutsche Nazi-Barbarei.

Alles nur zufällig?

Mit musikalischer Begleitung begann die würdige Ehrung anläßlich des 70. Jahrestages der Befreiung vom Faschismus auf dem sowjetischen Ehrenfriedhof in Zeitz-Ost, zu der „Die Linke“ Stadtverband Zeitz sowie die Regionalorganisation der KPD Zeitz eingeladen hatte. Die anschließende Gedenkrede – die wir an dieser Stelle ebenfalls veröffentlichen - hielt Frau Krößmann von der Partei „Die Linke“. An der zentralen Gedenkstele dieses Friedhofes verneigten sich die Gäste und legten Blumen nieder.

 

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Hier nun die vollständige Gedenkrede:

Der 8. Mai ist der Tag der Beendigung des Zweiten Weltkrieges in Europa. Er markiert den Schlußpunkt der Befreiung Europas von der faschistischen deutschen Gewaltherrschaft und er ist der Tag der Befreiung des deutschen Volkes vom Faschismus.

Diesen Tag klein reden oder umdeuten zu wollen heißt, ein ungeheuerliches Menschheitsverbrechen klein zu reden oder umzudeuten. Am 8. Mai 1945 endete mit der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands der zweite Weltkrieg in Europa. Der Staat, der da von der Anti-Hitler-Koalition unter der Führung der Sowjetunion, der USA und Großbritanniens zur Kapitulation gezwungen wurde, war nicht irgendein beliebiger, sondern ein Deutschland, das diesen Zweiten Weltkrieg am 1. September 1939 mit dem Überfall auf Polen vom Zaun gebrochen und in den darauffolgenden Jahren in der Folge weiterer Aggressionsfeldzüge ein nie dagewesenes Schreckensregime in fast ganz Europa errichtet hatte. Es war dies kein „normaler” Krieg, in dem „normale" Armeen auf „normalen” Schlachtfeldern gegeneinander kämpften, sondern es war dies von vornherein ein rassistischer, auf die Auslöschung ganzer Völker abzielender Krieg, in dem nach dem blutigen Durchzug der Front die eroberten Gebiete einer totalen Ausbeutung und Kontrolle unterworfen wurden.

Konzentriertester Ausdruck war der Holocaust:

die zielgerichtete und planmäßig „durchgeführte” Vernichtung von 6 Millionen Juden Europas. Ebenso planmäßig vernichtet wurden Hunderttausende Sinti und Roma und getragen war der Krieg außerdem von einem fundamentalen Slawenhaß. Dieser Slawenhaß, die Auffassung, daß es sich bei den Slawen um „Untermenschen” handele, bildete den Rahmen für ein außergewöhnlich verbrecherisches Vorgehen in den Kampfhandlungen selbst wie auch im eroberten Hinterland.

Mit dem Überfallauf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 trat der sogenannte Kommissarbefehl in Kraft, in dem es hieß, daß, wer als Politkommissar der Roten Armee gefangen genommen wurde, auf der Stelle zu erschießen sei. Der Befehl zielte auf die Liquidierung slawischer Intellektueller allgemein wie auch auf die Austilgung kommunistischen und marxistischen Denkens im Besonderen. Im Hinterland wurden Millionen Menschen dem Hunger- und Erfrierungstod preisgegeben, weitere Millionen zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt; kriegsgefangene sowjetische Soldaten verhungerten zu Millionen in den Gefangenenlagern. -— Diese barbarische Kriegführung wurde auf alle ausgedehnt, die sich gegen die deutsche Besatzung wehrten. ln allen Ländern.

Dem Krieg vorausgegangen waren sechs Jahre faschistischer Terrorherrschaft in Deutschland selbst. Viele Tausend Gegner des Nazi-Regimes — Kommunisten, Sozialdemokraten, Gewerkschafter, Liberale, Geistliche — wurden in dieser Zeit umgebracht, Zehntausende in Konzentrationslagern und Zuchthäusern gefangen gehalten. Die Vernichtung der Juden wurde in dieser Zeit mit Ausgrenzung, Diskriminierung und Pogromen vorbereitet. Zehntausende Menschen wurden in die Emigration getrieben.

Es ist heute — im Jahre 2015 — erstaunlicherweise wieder üblich geworden, die Bezeichnung „Tag der Befreiung" in Zweifel zu ziehen. Am 10. April 2015 wandte sich die „B.Z.” in Berlin gegen den Vorschlag der LINKEN, die Straße Alt-Friedrichsfelde im Berliner Osten wieder in Straße der Befreiung umzubenennen, mit den Worten, daß „die Freude über diese Befreiung nicht lange währte”, weil „Stalin in Deutschland eine neue Diktatur errichtete”. — Wieso sollte ein weltepochales Ereignis wie die Befreiung vom Faschismus ins Zwielicht geraten, weil die nachfolgenden Entwicklungen widerspruchsvoll waren? Die nachfolgenden Entwicklungen sind ein eigenes Kapitel; sie stellen die Befreiungstat nicht in Frage.

Das hat Bundespräsident Richard von Weizsäcker gewußt, als er 1985, zum 40. Jahrestag der Befreiung, eben genau diese Bezeichnung „Tag der Befreiung" wählte und den Bürgerinnen und Bürgern der Bundesrepublik ausdrücklich ans Herz legte. Denn es war der Westen, wo man so lange zögerte, von einem Tag der Befreiung zu sprechen; im Osten, in der DDR, hingegen war der Tag lange sogar offizieller Feiertag.

Wir müssen uns immer wieder bewußt machen:

Die Befreiung geschah durch die Alliierten, geschah durch die Anti-Hitler-Koalition, geschah durch alle in dieser Koalition vereinten Staaten und Befreiungsarmeen. Sie war das Werk einer ganzen antifaschistischen Welt. Sie geschah im Sinne auch all jener, die sich in Deutschland selbst gegen den Faschismus zur Wehr gesetzt und ihr Leben aufs Spiel gesetzt hatten.

Mindestens Zweierlei ist heute, am 70. Jahrestag der Befreiung, besonders wichtig:

Erstens der unbedingte Respekt vor den Befreiern, vor den Siegern im zweiten Weltkrieg, die unsere Befreier waren. Wenn am 9. Mai in Moskau der Tag des Sieges gefeiert wird (am 9., weil zum Zeitpunkt der Kapitulation in Berlin-Karlshorst in Moskau, wo die Uhr zwei Stunden weiter ist, der neue Tag bereits angebrochen war), dann gebührt den Siegern und Befreiern ebenso Respekt wie denen aus allen anderen Ländern der Welt.

Und zweitens die immer wieder neue Anstrengung, aus dem Zweiten Weltkrieg die Lehre zu ziehen, daß der Frieden gesichert werden muß. Im Ergebnis der Befreiung vom Faschismus wurde 1945 die UNO — die Organisation der Vereinten Nationen — als weltweite Organisation der Friedenssicherung gegründet. Der UNO-Charta zum Durchbruch zu verhelfen — das ist heute wieder eine der wichtigsten Aufgaben überhaupt.

Folgen wir alle dem Aufruf des erfahrenen russischen Diplomaten und Botschafters Finnlands, Österreichs und Polens, Wladimir Michailowitsch Grinin: Wir müssen uns an das Vermächtnis der Soldaten der Anti-Hitler-Koalition halten. Nie wieder Krieg – Dann waren ihre Opfer nicht umsonst!

Am 8. Mai 2015 findet um 10:00 Uhr eine Gedenkveranstaltung mit Kranzniederlegung aus Anlaß des 70. Jahrestages der Befreiung vom Hitlerfaschismus auf dem sowjetischen Ehrenfriedhof in der Gleinaer Straße in Zeitz-Ost statt.

Diese Veranstaltung soll Gedenken sein an die Opfer im Kampf gegen die Nazis und daran erinnern, daß die Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg die militärische Hauptlast bei der Niederschlagung des Faschismus trug. 27 Millionen Bürger der Sowjetunion verloren ihr Leben durch die faschistischen Aggressoren. Der Sieg über die Faschisten war ein Sieg der Menschlichkeit über die Barbarei. Den sowjetischen Siegern und Befreiern und allen ihren Verbündeten gilt am 70. Jahrestag der Befreiung unser Dank und ehrendes Gedenken.

Zu dieser Gedenkveranstaltung laden der Stadtverband „Die Linke“ Zeitz sowie die Regionalorganisation der KPD Zeitz ein:

Bild anklicken um PDF-Datei herunterzuladen:

einladung-70JT-8Mai-zeitz

Mit freundlicher Genehmigung des Zeitzer Hobby-Historikers Wolfgang Hädrich. Dafür vielen Dank!

Nun ist sie da, die geballte Ladung der Zeitschrift „die Mark Zeitz“ ist da! Für alle, die mal eben 180 Euro locker hatten für ein Buch mit 1146 Seiten, gebunden in bordeauxfarbenes echtes Leder, einzeln numeriert, ließ der Herausgeber Trompetenklänge ertönen. Die Nummern 1 bis 233 der Zeitschrift „die Mark Zeitz“ sind als Faksimile in diesem Buch vereint.

Abgesehen von einigen leer gebliebenen Stühlen, die für V.I.P.'s reserviert waren, konnte der Herausgeber des Buches, Herr Peter M. Wöllner , zufrieden sein. Seiner Einladung zur Buchveröffentlichung folgten ungefähr 60 Besucher in das Dachgeschoß der Stadtbibliothek „Martin Luther“ in Zeitz.

Das, was dort geboten wurde am 6. Dezember 2014, war schwerverdauliche Kost. Im Beisein von Bürgermeister Henrik Otto, Rudolf Drößler (ehemaliger Stadtchronist und Ehrenbürger der Stadt Zeitz), der Leiterin des Museums Schloß Moritzburg, Kristin Otto, ihrer Stellvertreterin Ursula Rittig und der Leiterin der „Ernst-Ortlepp-Bibliothek“, Birgit Ladig, durfte Herr Wöllner solch abenteuerliche Sprüche von sich geben, wie: „Richard Jubelt gründete den Sis-Verlag in Zeitz.'Sis' war die altgermanische Bezeichnung für Zeitz.“ So, so!

Nach dem anfänglichen Erfolg am 6. Dezember 2014 machte sich Kai-Uwe Schmidt, sozusagen Mitherausgeber des Buches, einen Tag später sofort auf den Weg zur einzigen Zeitzer Buchhandlung, um erste Absprachen zum Vertrieb dieses Buches in abgespeckter und somit preisgünstigerer Form zu tätigen.

Seit dem 6. März 2015 kann das Buch in der Zeitzer Stadtbibliothek „Martin Luther“ von jedermann - nachdem er eine Sonderbelehrung quittierte - gelesen werden.

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Nomen et Omen

Um sich einen ersten Eindruck von einem Blatt wie „die Mark Zeitz“ zu verschaffen, reicht ein Blick auf die Namen im Autorenverzeichnis ab Seite 1127. Rasch wird erkennbar, dass einige bekannte aus dem äußerst rechten politischen Spektrum darunter sind.

Beispiele:

Felix Burkhardt (* 9. Februar 1888 in Herwigsdorf; † 28. April 1973 in Leipzig), deutscher Statistiker und Professor an der Universität Leipzig,Pionier der Wirtschaftsmathematik, NSPAD-Mitglied .

Maria Kahle (* 3. August 1891 als Maria Keßler in Wesel; † 15. August 1975 in Olsberg/Sauerland), nationalsozialistische* deutsche Schriftstellerin.

Gustaf Kossinna (Kossina) (* 28. September 1858 in Tilsit; † 20. Dezember 1931 in Berlin), Philologe und Professor der deutschen Archäologie an der Universität Berlin. Er war seinerzeit neben Carl Schuchhardt der bedeutendste Prähistoriker und Schöpfer der so genannten Siedlungsarchäologischen Methode. Kossinna gilt als „ein Wegbereiter der nationalsozialistischen* Ideologie“.

Aurelius Polzer (* 16. Dezember 1848 in Feldkirch-Tisis, Vorarlberg; † 2. Mai 1924 in Graz), österreichischer deutschnationaler Kampfdichter und Schriftsteller. Pseudonyme waren Arnim Stark sowie Erich Fels.

„Du deutsches Volk in Österreichs Gauen,
wie lang noch willst Du müßig schauen
den frevelhaften Übermut
der haßerfüllten Slawenbrut?
Schlag los!“ ...

Bogislav von Selchow (* 4. Juli 1877 in Köslin; † 6. Februar 1943 in Berlin), deutscher Schriftsteller, Marineoffizier und Anführer des Studentenkorps Marburg, seine Schriften sind heute eine Fundgrube für Rechtsextremisten.

“Ich bin geboren, deutsch zu fühlen,
bin ganz auf deutsches Denken eingestellt;
Erst kommt mein Volk, dann all die andern vielen,
erst meine Heimat, dann die Welt.”

Wilhelm Stapel (* 27. Oktober 1882 in Kalbe (Milde); † 1. Juni 1954 in Hamburg), politischer Publizist, Antisemit und Nationalist

Bruno Stümke , Antisemit, Mitarbeiter der Zeitschrift „Werdandi“

Richard Ungewitter (* 18. Dezember 1869 in Artern, Provinz Sachsen; † 17. Dezember 1958 in Stuttgart), Vorkämpfer der deutschen FKK-Bewegung, stand völkischen Ideen sehr nahe, Rassenhygieniker. „Deutsche Wiedergeburt durch Blut und Eisen.“.

Paul Warncke (* 13. Mai 1866 in Lübz; † 25. April 1933 in Neubabelsberg), deutscher Bildhauer, Dichter und Schriftsteller. „Erwache, Volk!“

Max Wilcke († 9. Oktober 1932) Kreisschulrat von Zeitz, Mitglied der DNVP (Deutsch-Nationale-Volkspartei)

Ludwig Wilser (* 5. Oktober 1850 in Karlsruhe; † 19. November 1923), deutscher Arzt, völkischer Schriftsteller und Rassenhistoriker. Schrieb u.a. „Germanien“ , „Das Hakenkreuz nach Ursprung, Vorkommen u. Bedeutung“ , „Die heidnisch-germanische Sittenlehre im Spiegel der eddischen Dichtung“

Exzerpte

Nr. 154 (1933) „die Mark Zeitz“ :

„Heute aber leben wir – Gott sei Dank – in einer anderen, glücklicheren Zeit. Heute haben wir uns endlich wieder auf unser Blut und unser herrliches Volkstum besonnen. Heute wünschen wir bewußte Stärkung des völkischen Stolzes und Selbstbewußtseins durch Rückkehr zu seinen Quellen....!“

Max Wilcke
Seite 335 in „die Mark Zeitz“:
aus einem Gedicht des Bandes

„Volk, Freiheit, Vaterland“

Deutsch sein heißt stolz sein“ Deutsches Mannes Nacken
Du trägst das Mal von deines Henkers Hacken
Und wagst es noch zu sagen: I c h b i n d e u t s c h!“

Maria Kahle

Seite 343 in „die Mark Zeitz“:

„Der deutsche Schwur:

Wer einem Franzosen im deutschen Land
Obdach gewährt und Unterstand,
Wer die verfluchte Hand ihm faßt,
Ihn nicht verachtet und tödlich haßt,
Ihn eines Blickes würdig hält,
Wie Gift nicht meidet sein gleißend Geld,
Ihn labt mit einem Bissen Brot,
Ihm Hilfe Leiht, wann er in Not -
Wer einen Becher Weins ihm reicht,
Wer, wie vom Aas, von ihm nicht weicht -
Der sei fortan im deutschen Land
Ein ehrvergessener Lump genannt!“

Paul Warncke

Seite 358 eine Buchbesprechung in „die Mark Zeitz“:

„Vom Aufstieg des germanischen Abendlandes“
Hermann Krieger

Seite 453/454 in „die Mark Zeitz“ zum Lebenslauf von Karl Hahn ( Dichter des Liedes „Hopp, hopp, hopp, Pferdchen lauf Galopp“)

„Bezeichnend ist auch, daß seine Kinder nur deutsche Namen tragen.“
Oder:
„Echt deutsch wie sein Äußeres war seine Gesinnung!“
G.A.Maerker

In der Werbung auf Seite 343 („Ermäßigte Preise für Leser der Mark Zeitz“)wird Willibald Hentschel empfohlen. Willibald Hentschel (* 7. November 1858 in Łódź, Polen; † 2. Februar 1947 in Leoni am Starnberger See, Deutschland), Naturwissenschaftler, Antisemit, Schriftsteller und Anreger von Menschenzuchtplänen. Agitator der völkischen Bewegung im Deutschen Kaiserreich und in der Weimarer Republik. Sein Buch „Wallburgen und Tanzberge“ erschien 1917 im Sis Verlag Zeitz (War auf der Ausstellung zu Arthur Jubelt in der Tourist-Information in Zeitz ausgestellt).

Quelle: „Die Mark Zeitz“ - Stadtbibliothek Zeitz

Resümee

Der Krimskrams aus Regionalgeschichte, muffiger Deutschtümelei, Nationalismus, Okkultismus und Rassenlehre läßt vielleicht die Rechten jubeln, finden sie doch in dem Buch das Vokabular, das ihnen gefällt, beginnend bei A wie Abendland. Hätte der Herausgeber mit Sachverstand entrümpelt, wäre eventuell ein Büchlein interessanter Geschichtsbeiträge über die Region Zeitz herausgekommen (beispielsweise Beiträge von Braun, Hagendorff, Schamberger, Wollesen und anderen). Mit dem unhandlichen Etwas in der vorliegenden Art, in dem „das deutsche Volk unbestritten die geistige Führerschaft auf der Erde hat“, das Wort Paradies als urdeutsches Erbwort beschrieben wird und die Deutschen flüssige Elektrizität erfinden werden, tut sich die Stadt Zeitz keinen besonderen Gefallen. Positives leistet die gebrochene Schrift; denn nur noch wenige können sie mühelos lesen! Wenn es in der Stadtbibliothek für dieses Buch bei einem Leser pro Monat, wie bisher, bleibt, dann ist der moralische Schaden für die Stadt Zeitz kalkulierbar. Nachdenklich stimmt allerdings, dass ausgerechnet ein ehemaliger SPD-Landtagsabgeordneter für dieses Buch bei MZ|BürgerReporter wirbt.

joomplu:733

 

* Nationalsozialismus:

Weltweit wird der sogenannte Nationalsozialismus als deutscher Faschismus bezeichnet. Nur in der BRD nicht; dort wurde diese von den Nazis selbst gewählte Eigenbenennung unverändert beibehalten.

Tatsächlich ist der Begriff Nationalsozialismus grob irreführend und dies war bei der Namensfindung volle Absicht.

Der Nationalsozialismus war weder national noch sozialistisch orientiert, stattdessen eine brutale Gewaltherrschaft. Eine Gewaltherrschaft kann niemals im nationalen Interesse liegen. Analog gilt dies für den Begriff Sozialismus, welcher sich auf die Gesellschaft bezieht (lateinisch socialis »gesellig; gesellschaftlich«). Auch das ist mit einer Unterdrückung der Volksmassen unvereinbar.

In Wahrheit wurde der Begriff Nationalsozialismus von ihren führenden Vertretern mit Täuschungsabsicht gewählt. Angesichts der seinerzeit starken Linksorientierung insbesondere der Arbeiterschaft, aber auch weiterer Bevölkerungskreis einerseits und tradierten national-konservativen Strömungen anderseits sollte eine Scheinallianz zwischen beiden geschaffen werden, um breiteste Zustimmung bei den Wahlen zu erreichen.

Mit einem Stimmenanteil von 43 % dank großzügiger Förderung aus Wirtschaftskreisen gelang die Täuschung hinreichend und der „Nationalsozialismus“ wurde etabliert – als deutscher Faschismus.

Am 12. März 2015 fand in Zeitz eine Stadtratssitzung statt, die vom Filmteam der "Zeitzer Lupe" aufgezeichnet wurde und bei Youtube unter folgender Adresse angesehen werden kann:

https://www.youtube.com/watch?v=UsUwLVtysHs

 

Hierzu unsere Anmerkungen zu zwei Sachverhalten:

Erstens:

Bei Minute 12:20 entgegnet OB Kunze – im Ton freundlich wie beinahe immer, aber listig wie gewohnt - auf die Frage eines Stadtrates sinngemäß: ... Das interessiert die Mehrheit des Stadtrates nicht … - Diese Behauptung wiederholt Kunze sogar bei Minute 13:20. Man kann den gesamten Frage-Antwort-Komplex ab Minute 1:53 verfolgen, um zu erfahren, worum es inhaltlich geht,

Hinsichtlich Kunzes dreistem Verhalten genügt jedoch zu wissen: Der Stadtrat ist Dienstvorgesetzter des Oberbürgermeisters, nicht etwa umgekehrt. Dem OB steht daher dieses anmaßend-freche Urteil überhaupt nicht zu, auch nicht zutreffendenfalls. Das Gemeindeorgan Stadtrat findet und deklariert seine Meinung durch Abstimmung und nicht durch Urteil des ihm unterstellten OB.

Da mag Kunze noch so tönen, aber der Stadtrat bzw. dessen Mehrheit muß sich von ihm nicht am Nasenring in der Manege vorführen lassen. Sollte eine Stadtratsmehrheit dennoch Freude empfinden an solcher Behandlung, wäre dies kein gutes Zeichen - für beide Seiten. Übrigens: Man sollte sich doch ´mal etwas genauer mit der von Kunze auf diese unverschämte Weise einfach weggewischten Frage befassen. Vielleicht gibt es ja doch allen Grund dazu.

Zweitens:

Ab Minute 22:00 geht es im Tagesordnungspunkt 12 um eine Richtlinie zur Sanierung und städtebaulichen Förderung. Ab Minute 22:20 erfolgt eine Einblendung, sie lautet wörtlich: „Jetzt fördert man noch zusätzlich den Neubau mit Steuermitteln und erhöht damit weiter den katastrophalen Leerstand von Zeitz. Damit wird jeder bisheriger Hauseigentümer in der Innenstadt von Zeitz geschädigt.“ Und weiter ab Minute 23:13: „Der gesamte Stadtrat übersieht wieder einmal die mittelbaren Folgen ihres Handelns. Das selbst vereinbarte Ziel im Stadtentwicklungskonzepts, der Rückbau von Wohnraum, ist in keinster Weise erreicht.“

Es ist unglaublich, was den Zeitzer Bürgern hier aufgetischt werden soll.

Nach dem bisherigen wie zukünftig absehbaren Bevölkerungsrückgang ist in Zeitz unstreitig der Wohnungsleerstand trotz massiver Abrisse noch immer zu hoch. Hunderte weitere „Wohneinheiten“ sollen abgerissen werden. Einflußreiche Kräfte in der privaten Zeitzer Wohnungswirtschaft, leider auch in Zeitzer Verwaltung und Politik möchten dies vorzugsweise „im Südosten“ der Stadt bewirken – also im Neubaugebiet Zeitz-Ost. Auch die Mitteldeutsche Zeitung berichtete darüber in Ihrer Ausgabe vom 14./15. März auf Seite 9.

Aus einem Neubaugebiet mit relativ niedrigem Wohnungsleerstand sollen demnach mittels politisch-administrativer Maßnahmen die Bewohner in unpopuläre Altstadtquartiere verbracht werden, aus einem beliebten Wohngebiet verdrängt werden in mißliebige innerstädtische Wohngegenden. Jedenfalls nach dem Willen dieser Kräfte. Damit „man“ die Leerstands-Probleme in der Zeitzer Innenstadt lösen kann. Gewiß käme das manchen innenstädtisch tätigen privaten Vermietern zugute, welche diese Objekte nicht selten erst nach 1990 erwarben. Bislang schon blieben solche Umsiedlungs-Bemühungen allerdings erfolglos. Wahrscheinlich wird diese Rechnung also auch künftig nicht aufgehen.

Die Folge wäre wohl stattdessen ein noch stärkerer Bevölkerungsrückgang durch Wegzug, sei es „nur“ in das gemeindliche Umfeld oder auch wesentlich weiter entfernt. Zudem sind in Zeitz-Ost die Wohnungsgenossenschaften stark vertreten, deren Mieter in Personalunion auch Miteigentümer an den Immobilien sind. Wohnungs-Rückbau/Abriß bedeutet für Genossenschaftsmitglieder Vermögens- und Sicherheitseinbußen. Dies sollten sie und alle Bewohner von Zeitz-Ost im eigenen Interesse verhindern!

Der „Offene Runde Tisch Zeitz“ (ORTZ)

 

An das Rathaus

Altmarkt 1

06712 Zeitz

z. Hd. des Oberbürgermeisters

 

Betrifft: Schäden im Knittelholz

Bezug: Bericht der MZ vom 30.01.2015

 

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

wie der MZ vom 30.01.2015 zu entnehmen, meldeten Bürger erhebliche, dem Wetter geschuldeten Schäden im Knittelholz. Wie dem Bericht zu entnehmen versperren umgestürzte Bäume und loses Astwerk die Gehwege. Desweiteren wurde ebenfalls gemeldet, dass ob jahrelanger Vernachlässigung, auch Wege vollends unpassierbar seien, da durch Bewuchs mit Strauchwerk versperrt. Soweit es sich nun bei den im Bericht beschriebenen Zuständen um Wege in Privatbesitz handelt, so sind diese nicht Gegenstand dieses Schreibens, welches sich ausschließlich auf Liegenschaften in der Verantwortung der Stadt Zeitz bezieht.

Wir als ORTZ sehen in dem Zustand der betreffenden Wege, die Stadt Zeitz in der Pflicht, die gefahrlose Begehbarkeit wieder herzustellen.

Gleichfalls stellen wir fest, dass in dieser Aufgabe, die Maßgabe der Zusätzlichkeit nicht gegeben ist und schon daher eine Beauftragung von Maßnahmeträgern nicht möglich ist.

Ferner ist es ebenfalls nicht möglich, in der Verrichtung dieser Arbeiten durch Maßnahmeträger, die dafür erforderliche Wettbewerbsneutralität zu erkennen.

Nach Auffassung des ORTZ, wie leider an vielen Stellen, im Bereich der Stadt Zeitz, zu beobachten, die diesbezüglichen gesetzlichen Bestimmungen, in hohem Maße missachtet werden, was dem realen Arbeitsmarkt zum Schaden gereicht, sehen wir uns berechtigt darauf hinzuweisen, dass eine diesbezügliche Auftragsvergabe für die ausstehendesn Arbeiten im Knittelholz, nur an, im freien Wettbewerb stehende Unternehmen erfolgen kann.

Selbstredend werden wir, der ORTZ, in diesem Fall die Einhaltung gesetzlicher Richtlinien verfolgen.

Weiterhin stellen wir mit diesem Schreiben die Forderung an die Stadt Zeitz, künftig, die Schädigung des freien Marktes, mittels Vergabe von öffentlichen Aufgaben an Maßnahmeträger einzustellen.

 

Mit freundlichem Gruß

im Auftrag des ORTZ

G. Rink

 

 

Die weitere Verwertung dieses Schreibens als offenen Brief behalten wir uns vor.

Zeitz, d. 01.02.2015

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Am heutigen 14. September 2014 fand eine Gedenkveranstaltung mit Kranzniederlegungen am Zeitzer Denkmal für die Opfer des Faschismus auf dem Altmarkt statt. Zu den leider viel zu wenigen Anwesenden gehörten Vertreter der KPD-Regionalorganisation Zeitz, der Partei DIE LINKE sowie einige Sympathisanten und ein Redakteur der lokalen Presse.

Im Vorfeld und während der Veranstaltung wurde mehrfach und deutlich die Neugestaltung des Denkmalsockels und seiner Umgebung kritisiert. Der nunmehr mit großen Schotterbrocken ausgelegte „Weg“ zum Denkmal erschwert jede Kranzniederlegung ungemein. Nicht allein für ältere Leute wird diese Gestaltung zur einer hohen Unfallgefahr bei Kranzniederlegungen. Die Begründung, diese Schotterpiste solle den Leidensweg der Opfer des Faschismus symbolisieren, erscheint als an den Haaren herbei gezogen und unglaubwürdig. Stattdessen ist dieser „Weg“ eine wirksame Sperre gegen Versuche zur Kranzniederlegung. Und diese Wirkung ist wohl auch den für diese Gestaltung verantwortlichen Leuten bewußt – möglicherweise sogar beabsichtigt.

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Ebenso wurde heftig kritisiert, daß der Sockel nicht - wie angekündigt, eigentlich selbstverständlich und sogar üblich - mit einer Dokumentenkapsel ausgestattet und diese zumindest mit einer Kopie des Gründungsdokumentes von 1950 versehen wurde. Dieser gravierende Mangel muß nachträglich unbedingt behoben werden.

Die folgende Gedenkrede hielt Dieter Rolle von der KPD:

Liebe Genossinnen und Genossen!

Werte Freunde und Sympathisanten!

1945 wurde die Tradition begründet, jeweils am 2. Sonntag im Monat September den Gedenktag für die Opfer des Faschismus zu begehen.

Über 2 Jahre ist es her, daß verantwortungslose Politiker das ehemalige OdF-Denkmal geschliffen haben und nach seiner Restauration in diesem Jahr hier an dieser Stelle in veränderter Form wieder aufgestellt haben.

Damit wurde trotz breiten Protestes ein Fakt geschaffen, der unserer 1037-jährigen Stadt Zeitz nicht gut zu Gesicht steht und ein Schlag gegen die faschistischen Opfer darstellt.

Wir haben uns heute hier zusammengefunden, um in Übereinstimmung mit den Überlebenden der Zuchthäuser und KZ aller Opfer der faschistischen Diktatur zu gedenken und damit auch das Bewußtsein zu verschärfen, daß 69 Jahre nach der Befreiung durch die Rote Armee und der Anti-Hitler-Koalition immer noch Faschismus, Rassismus, Menschenfeindlichkeit und Antikommunismus Teil unserer Gegenwart sind.

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Die furchtbaren Verbrechen, die in deutschem Namen begangen wurden, denen z. B. während des 2. Weltkrieges 27 Mio. Sowjetbürger und 6 Mio. Juden zum Opfer fielen sowie die nach 1945 und nach 1989 in Deutschland vollzogene Entwicklung dürfen nicht vergessen werden bzw. es ist erneut dagegen Widerstand zu leisten.

Die Überlebenden der faschistischen Herrschaft, von Verfolgung, aber auch des Widerstandes haben stets angemahnt, den Kampf gegen Naziideologie, für eine gerechte, friedlichere und tolerante Welt fortzuführen.

Liebe Genossen und Freunde!

Die Nazis hatten 1933 mit der Verfolgung und Ermordung von Kommunisten, Sozialdemokraten, Christen und anderen begonnen, als ihren politischen Hauptgegnern. Deshalb ist es wichtig, daß aller Naziopfer gedacht wird, aber nicht die einen auf Kosten der anderen „übersehen“ werden. Dabei haben es Kommunisten und Sozialdemokraten verdient, an vorderer Stelle genannt zu werden, denn sie haben auch als erste gegen die Barbarei gekämpft. Es wäre gut, wenn man sich in der Erinnerungsarbeit an diese Tatsache hielte. In der heute größer gewordenen BRD ist gerade zur DDR, im Zusammenhang mit dem 65. Jahrestag ihrer Gründung und heute erst recht in Vorbereitung des 24. Jahrestages der sogenannten Deutschen Einheit, eine immer mehr gesteigerte Hetzkampagne im Gange sowie der Versuch, Geschichtsverfälschungen zu betreiben.

Die Sudelkanonade bundesdeutscher Politiker und Massenmedien gegen die DDR läuft mit Blick auf den 24. Jahrestag ihrer Einverleibung in die BRD auf Hochtouren.

Unser Staat war ein Garant dafür, solange er bestand, daß Krieg und Faschismus ausgerottet waren. Generationen seiner Bürger lernten in Schulen, arbeiteten in Brigaden, wohnten in Straßen, die den Namen von Antifaschisten trugen.

Nach der Konterrevolution von 1989 und der Einverleibung der DDR in die BRD am 3.10.1990 wurden antifaschistische Gedenkstätten abgewickelt, Straßen umbenannt, Tafeln verschwanden, wo Antifaschisten verdiente Ehrung erfuhren; die „Delegitimierung“ der DDR wurde und wird als Staatspolitik betrieben, ja sogar die Gleichsetzung der Hitlerdiktatur benannt mit dem Staat, der das Beste war, was die deutsche Arbeiterklasse bisher hervorbrachte.

Es ist doch nicht zu übersehen, daß die Lügenmärchen gerade auch im 24. Jahr der Einverleibung nur dazu herhalten sollen, von den eigenen Gebrechen abzulenken. Und das hat nicht mit Verklärung, Ostalgie oder sonst etwas zu tun. Unmißverständlich muß festgestellt werden, daß das reale Gesicht des Kapitalismus, auch in der BRD, vom Prinzip der Ausbeutung geprägt ist und nur das Wort kennt: Profitgier. Das ist verbunden mit einem rasanten Demokratie- und Sozialabbau.

Der Kapitalismus mit seinen Krisen, mit seinem menschenverachtenden System der Ausbeutung, Unterdrückung und auch flächendeckender Überwachung der Bürger, ist aber nicht das letzte Wort der Geschichte.

Deshalb ist es gerade in dieser gegenwärtigen äußerst zugespitzten Lage und Situation allerhöchste Zeit, die Aktionseinheit aller antifaschistischen, antiimperialistisch-demokratischen Kräfte endlich Tat werden zu lassen.

Von dem Buchenwaldschwur 1945 „die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln“ und der Aufbau einer „neuen Welt des Friedens und der Freiheit“ sind wir zur Zeit jedoch immer noch weiter denn je entfernt.

Denn die geistigen Erben der Nazis können heute wieder ihren Ungeist verbreiten, was einer Verhöhnung der Opfer und Überlebenden des Faschismus gleichkommt.

Dieser Tag und die Ehrung der Opfer des Faschismus soll mit dazu beitragen, uns zu ermutigen, uns immer wieder von neuem einzumischen und den Kampf gegen dieses menschenverachtende System generell, zielstrebig weiterzuführen.

Bewahren wir dabei den antifaschistischen Widerstandskämpfern sowie allen Opfern des Faschismus stets ein ehrendes Gedenken.

Anschließend wurden unter Abspielung des bekannten Liedes „Die Moorsoldaten“ die Blumengebinde – trotz der unsäglichen „Schotterpiste“ - am Fuße des Denkmals niederlegt. 

 

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Am 12.05.2014 wurde der Altmarkt in Zeitz nach dreijähriger Bauzeit offiziell übergeben und eingeweiht. Die Kosten für den Umbau betragen über 3 Mio. € und damit deutlich mehr als die zuvor veranschlagte Summe. Wir sehen das als Geldverschwendung an! Im Zuge dieser Auftragsbeschaffungsmaßnahme (ABM) Umbaumaßnahme (UBM) wagte man Hand an das Denkmal für die Opfer des Faschismus (OdF) zu legen und es unvorteilhaft räumlich zu versetzen.

Zu dieser Veranstaltung war auch Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Haseloff angereist. Kaum begannen die Lobreden, erhoben Mitglieder des Offenen Runden Tisches Zeitz (ORTZ) eine vorbereitete Buchstabenkette und jeder konnte "€ VERSCHWENDUNG !" lesen. Oberbürgermeister Dr. Kunze war sichtlich überrascht und sah sich genötigt Stellung zu beziehen. Er meint: Einige Zeitzer sehen den Umbau zwar als Verschwendung an, er sieht es aber als "gute Investition".

Hinsichtlich des umstrittenen Umbaus möchte der ORTZ folgendes feststellen:

Die bauliche Umgestaltung des Altmarktes war sicher für gewisse Leute ein sehr nutzbringendes Geschäft. Sehr ungewiß ist indes, ob der Umbau auch für die Stadt Zeitz und insbesondere die Einwohnerschaft nützlich ist. Jedenfalls haben die ganzen Veränderungen bereits im Vorfeld hitzige Diskussionen und Proteste ausgelöst. Erfolgten deshalb – beklagenswert vor allem auch hinsichtlich des OdF-Denkmals – kaum Informationen der Öffentlichkeit und des Stadtrates, selbst auf gezielte Nachfragen nicht? Weil so verfahren und in der Stille konspiriert wurde, liegt der Verdacht einer absichtsvollen Vorgehensweise sehr nahe. Der fraglos entgegenstehende Wille großer Teile der Zeitzer Einwohnerschaft dürfte ein wesentlicher Grund für sehr sparsame bis zumindest mißverständliche Informationen an die Zeitzer Öffentlichkeit gewesen sein.

Mehrfach wurde die Bausumme erhöht, wurden Zusatzaufträge beantragt und von einer Stadtratsmehrheit durchgewinkt. Oder auch: Am Freitag 22.03.2013 berichtete die MZ auf Seite 11, „... Sicher ist, daß wieder ein sogenanntes Rohrdepot seinen Platz im Sockel finden wird. Allerdings mit neuen Zeitdokumenten und einer guten Kopie der alten Urkunde.“ (gemeint war der neue Sockel des OdF-Denkmals am Altmarkt). Daraus wurde nichts. Wer äußerte dies gegenüber der Presse? Der im Artikel abgebildete und mehrfach wörtlich zitierte gegenwärtige Zeitzer Oberbürgermeister Volkmar Kunze will es nicht gewesen sein …

Wichtiger noch: Diese Zusage muß schleunigst realisiert werden!

Auch eine Absonderlichkeit: Ohne jede weitere Information des Stadtrates oder gar der Bevölkerung wurde beispielsweise ein von der Stadträtin Frau Späte – „selbstverständlich“ ohne irgendeinen Auftrag des Stadtrates – entworfener und von ihres Bruders Steinmetzbetrieb ausgeführter(!!!) Zusatztext auf den Denkmalsockel aufgebracht. Einvernehmlich mit Kunze. Aber eben nicht in Abstimmung mit dem Stadtrat, erst recht nicht mit der Öffentlichkeit. Es lief wie geschmiert. Schade um das viele Geld aus Steuermitteln!

Offener Runder Tisch Zeitz - ORTZ
12. Mai 2014

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