Mit freundlicher Genehmigung des Zeitzer Hobby-Historikers Wolfgang Hädrich. Dafür vielen Dank!

Nun ist sie da, die geballte Ladung der Zeitschrift „die Mark Zeitz“ ist da! Für alle, die mal eben 180 Euro locker hatten für ein Buch mit 1146 Seiten, gebunden in bordeauxfarbenes echtes Leder, einzeln numeriert, ließ der Herausgeber Trompetenklänge ertönen. Die Nummern 1 bis 233 der Zeitschrift „die Mark Zeitz“ sind als Faksimile in diesem Buch vereint.

Abgesehen von einigen leer gebliebenen Stühlen, die für V.I.P.'s reserviert waren, konnte der Herausgeber des Buches, Herr Peter M. Wöllner , zufrieden sein. Seiner Einladung zur Buchveröffentlichung folgten ungefähr 60 Besucher in das Dachgeschoß der Stadtbibliothek „Martin Luther“ in Zeitz.

Das, was dort geboten wurde am 6. Dezember 2014, war schwerverdauliche Kost. Im Beisein von Bürgermeister Henrik Otto, Rudolf Drößler (ehemaliger Stadtchronist und Ehrenbürger der Stadt Zeitz), der Leiterin des Museums Schloß Moritzburg, Kristin Otto, ihrer Stellvertreterin Ursula Rittig und der Leiterin der „Ernst-Ortlepp-Bibliothek“, Birgit Ladig, durfte Herr Wöllner solch abenteuerliche Sprüche von sich geben, wie: „Richard Jubelt gründete den Sis-Verlag in Zeitz.'Sis' war die altgermanische Bezeichnung für Zeitz.“ So, so!

Nach dem anfänglichen Erfolg am 6. Dezember 2014 machte sich Kai-Uwe Schmidt, sozusagen Mitherausgeber des Buches, einen Tag später sofort auf den Weg zur einzigen Zeitzer Buchhandlung, um erste Absprachen zum Vertrieb dieses Buches in abgespeckter und somit preisgünstigerer Form zu tätigen.

Seit dem 6. März 2015 kann das Buch in der Zeitzer Stadtbibliothek „Martin Luther“ von jedermann - nachdem er eine Sonderbelehrung quittierte - gelesen werden.

Die Mark Zeitz_2

Nomen et Omen

Um sich einen ersten Eindruck von einem Blatt wie „die Mark Zeitz“ zu verschaffen, reicht ein Blick auf die Namen im Autorenverzeichnis ab Seite 1127. Rasch wird erkennbar, dass einige bekannte aus dem äußerst rechten politischen Spektrum darunter sind.

Beispiele:

Felix Burkhardt (* 9. Februar 1888 in Herwigsdorf; † 28. April 1973 in Leipzig), deutscher Statistiker und Professor an der Universität Leipzig,Pionier der Wirtschaftsmathematik, NSPAD-Mitglied .

Maria Kahle (* 3. August 1891 als Maria Keßler in Wesel; † 15. August 1975 in Olsberg/Sauerland), nationalsozialistische* deutsche Schriftstellerin.

Gustaf Kossinna (Kossina) (* 28. September 1858 in Tilsit; † 20. Dezember 1931 in Berlin), Philologe und Professor der deutschen Archäologie an der Universität Berlin. Er war seinerzeit neben Carl Schuchhardt der bedeutendste Prähistoriker und Schöpfer der so genannten Siedlungsarchäologischen Methode. Kossinna gilt als „ein Wegbereiter der nationalsozialistischen* Ideologie“.

Aurelius Polzer (* 16. Dezember 1848 in Feldkirch-Tisis, Vorarlberg; † 2. Mai 1924 in Graz), österreichischer deutschnationaler Kampfdichter und Schriftsteller. Pseudonyme waren Arnim Stark sowie Erich Fels.

„Du deutsches Volk in Österreichs Gauen,
wie lang noch willst Du müßig schauen
den frevelhaften Übermut
der haßerfüllten Slawenbrut?
Schlag los!“ ...

Bogislav von Selchow (* 4. Juli 1877 in Köslin; † 6. Februar 1943 in Berlin), deutscher Schriftsteller, Marineoffizier und Anführer des Studentenkorps Marburg, seine Schriften sind heute eine Fundgrube für Rechtsextremisten.

“Ich bin geboren, deutsch zu fühlen,
bin ganz auf deutsches Denken eingestellt;
Erst kommt mein Volk, dann all die andern vielen,
erst meine Heimat, dann die Welt.”

Wilhelm Stapel (* 27. Oktober 1882 in Kalbe (Milde); † 1. Juni 1954 in Hamburg), politischer Publizist, Antisemit und Nationalist

Bruno Stümke , Antisemit, Mitarbeiter der Zeitschrift „Werdandi“

Richard Ungewitter (* 18. Dezember 1869 in Artern, Provinz Sachsen; † 17. Dezember 1958 in Stuttgart), Vorkämpfer der deutschen FKK-Bewegung, stand völkischen Ideen sehr nahe, Rassenhygieniker. „Deutsche Wiedergeburt durch Blut und Eisen.“.

Paul Warncke (* 13. Mai 1866 in Lübz; † 25. April 1933 in Neubabelsberg), deutscher Bildhauer, Dichter und Schriftsteller. „Erwache, Volk!“

Max Wilcke († 9. Oktober 1932) Kreisschulrat von Zeitz, Mitglied der DNVP (Deutsch-Nationale-Volkspartei)

Ludwig Wilser (* 5. Oktober 1850 in Karlsruhe; † 19. November 1923), deutscher Arzt, völkischer Schriftsteller und Rassenhistoriker. Schrieb u.a. „Germanien“ , „Das Hakenkreuz nach Ursprung, Vorkommen u. Bedeutung“ , „Die heidnisch-germanische Sittenlehre im Spiegel der eddischen Dichtung“

Exzerpte

Nr. 154 (1933) „die Mark Zeitz“ :

„Heute aber leben wir – Gott sei Dank – in einer anderen, glücklicheren Zeit. Heute haben wir uns endlich wieder auf unser Blut und unser herrliches Volkstum besonnen. Heute wünschen wir bewußte Stärkung des völkischen Stolzes und Selbstbewußtseins durch Rückkehr zu seinen Quellen....!“

Max Wilcke
Seite 335 in „die Mark Zeitz“:
aus einem Gedicht des Bandes

„Volk, Freiheit, Vaterland“

Deutsch sein heißt stolz sein“ Deutsches Mannes Nacken
Du trägst das Mal von deines Henkers Hacken
Und wagst es noch zu sagen: I c h b i n d e u t s c h!“

Maria Kahle

Seite 343 in „die Mark Zeitz“:

„Der deutsche Schwur:

Wer einem Franzosen im deutschen Land
Obdach gewährt und Unterstand,
Wer die verfluchte Hand ihm faßt,
Ihn nicht verachtet und tödlich haßt,
Ihn eines Blickes würdig hält,
Wie Gift nicht meidet sein gleißend Geld,
Ihn labt mit einem Bissen Brot,
Ihm Hilfe Leiht, wann er in Not -
Wer einen Becher Weins ihm reicht,
Wer, wie vom Aas, von ihm nicht weicht -
Der sei fortan im deutschen Land
Ein ehrvergessener Lump genannt!“

Paul Warncke

Seite 358 eine Buchbesprechung in „die Mark Zeitz“:

„Vom Aufstieg des germanischen Abendlandes“
Hermann Krieger

Seite 453/454 in „die Mark Zeitz“ zum Lebenslauf von Karl Hahn ( Dichter des Liedes „Hopp, hopp, hopp, Pferdchen lauf Galopp“)

„Bezeichnend ist auch, daß seine Kinder nur deutsche Namen tragen.“
Oder:
„Echt deutsch wie sein Äußeres war seine Gesinnung!“
G.A.Maerker

In der Werbung auf Seite 343 („Ermäßigte Preise für Leser der Mark Zeitz“)wird Willibald Hentschel empfohlen. Willibald Hentschel (* 7. November 1858 in Łódź, Polen; † 2. Februar 1947 in Leoni am Starnberger See, Deutschland), Naturwissenschaftler, Antisemit, Schriftsteller und Anreger von Menschenzuchtplänen. Agitator der völkischen Bewegung im Deutschen Kaiserreich und in der Weimarer Republik. Sein Buch „Wallburgen und Tanzberge“ erschien 1917 im Sis Verlag Zeitz (War auf der Ausstellung zu Arthur Jubelt in der Tourist-Information in Zeitz ausgestellt).

Quelle: „Die Mark Zeitz“ - Stadtbibliothek Zeitz

Resümee

Der Krimskrams aus Regionalgeschichte, muffiger Deutschtümelei, Nationalismus, Okkultismus und Rassenlehre läßt vielleicht die Rechten jubeln, finden sie doch in dem Buch das Vokabular, das ihnen gefällt, beginnend bei A wie Abendland. Hätte der Herausgeber mit Sachverstand entrümpelt, wäre eventuell ein Büchlein interessanter Geschichtsbeiträge über die Region Zeitz herausgekommen (beispielsweise Beiträge von Braun, Hagendorff, Schamberger, Wollesen und anderen). Mit dem unhandlichen Etwas in der vorliegenden Art, in dem „das deutsche Volk unbestritten die geistige Führerschaft auf der Erde hat“, das Wort Paradies als urdeutsches Erbwort beschrieben wird und die Deutschen flüssige Elektrizität erfinden werden, tut sich die Stadt Zeitz keinen besonderen Gefallen. Positives leistet die gebrochene Schrift; denn nur noch wenige können sie mühelos lesen! Wenn es in der Stadtbibliothek für dieses Buch bei einem Leser pro Monat, wie bisher, bleibt, dann ist der moralische Schaden für die Stadt Zeitz kalkulierbar. Nachdenklich stimmt allerdings, dass ausgerechnet ein ehemaliger SPD-Landtagsabgeordneter für dieses Buch bei MZ|BürgerReporter wirbt.

Die Mark Zeitz_1

 

* Nationalsozialismus:

Weltweit wird der sogenannte Nationalsozialismus als deutscher Faschismus bezeichnet. Nur in der BRD nicht; dort wurde diese von den Nazis selbst gewählte Eigenbenennung unverändert beibehalten.

Tatsächlich ist der Begriff Nationalsozialismus grob irreführend und dies war bei der Namensfindung volle Absicht.

Der Nationalsozialismus war weder national noch sozialistisch orientiert, stattdessen eine brutale Gewaltherrschaft. Eine Gewaltherrschaft kann niemals im nationalen Interesse liegen. Analog gilt dies für den Begriff Sozialismus, welcher sich auf die Gesellschaft bezieht (lateinisch socialis »gesellig; gesellschaftlich«). Auch das ist mit einer Unterdrückung der Volksmassen unvereinbar.

In Wahrheit wurde der Begriff Nationalsozialismus von ihren führenden Vertretern mit Täuschungsabsicht gewählt. Angesichts der seinerzeit starken Linksorientierung insbesondere der Arbeiterschaft, aber auch weiterer Bevölkerungskreis einerseits und tradierten national-konservativen Strömungen anderseits sollte eine Scheinallianz zwischen beiden geschaffen werden, um breiteste Zustimmung bei den Wahlen zu erreichen.

Mit einem Stimmenanteil von 43 % dank großzügiger Förderung aus Wirtschaftskreisen gelang die Täuschung hinreichend und der „Nationalsozialismus“ wurde etabliert – als deutscher Faschismus.

   
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