Am heutigen 14. September 2014 fand eine Gedenkveranstaltung mit Kranzniederlegungen am Zeitzer Denkmal für die Opfer des Faschismus auf dem Altmarkt statt. Zu den leider viel zu wenigen Anwesenden gehörten Vertreter der KPD-Regionalorganisation Zeitz, der Partei DIE LINKE sowie einige Sympathisanten und ein Redakteur der lokalen Presse.

Im Vorfeld und während der Veranstaltung wurde mehrfach und deutlich die Neugestaltung des Denkmalsockels und seiner Umgebung kritisiert. Der nunmehr mit großen Schotterbrocken ausgelegte „Weg“ zum Denkmal erschwert jede Kranzniederlegung ungemein. Nicht allein für ältere Leute wird diese Gestaltung zur einer hohen Unfallgefahr bei Kranzniederlegungen. Die Begründung, diese Schotterpiste solle den Leidensweg der Opfer des Faschismus symbolisieren, erscheint als an den Haaren herbei gezogen und unglaubwürdig. Stattdessen ist dieser „Weg“ eine wirksame Sperre gegen Versuche zur Kranzniederlegung. Und diese Wirkung ist wohl auch den für diese Gestaltung verantwortlichen Leuten bewußt – möglicherweise sogar beabsichtigt.

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Ebenso wurde heftig kritisiert, daß der Sockel nicht - wie angekündigt, eigentlich selbstverständlich und sogar üblich - mit einer Dokumentenkapsel ausgestattet und diese zumindest mit einer Kopie des Gründungsdokumentes von 1950 versehen wurde. Dieser gravierende Mangel muß nachträglich unbedingt behoben werden.

Die folgende Gedenkrede hielt Dieter Rolle von der KPD:

Liebe Genossinnen und Genossen!

Werte Freunde und Sympathisanten!

1945 wurde die Tradition begründet, jeweils am 2. Sonntag im Monat September den Gedenktag für die Opfer des Faschismus zu begehen.

Über 2 Jahre ist es her, daß verantwortungslose Politiker das ehemalige OdF-Denkmal geschliffen haben und nach seiner Restauration in diesem Jahr hier an dieser Stelle in veränderter Form wieder aufgestellt haben.

Damit wurde trotz breiten Protestes ein Fakt geschaffen, der unserer 1037-jährigen Stadt Zeitz nicht gut zu Gesicht steht und ein Schlag gegen die faschistischen Opfer darstellt.

Wir haben uns heute hier zusammengefunden, um in Übereinstimmung mit den Überlebenden der Zuchthäuser und KZ aller Opfer der faschistischen Diktatur zu gedenken und damit auch das Bewußtsein zu verschärfen, daß 69 Jahre nach der Befreiung durch die Rote Armee und der Anti-Hitler-Koalition immer noch Faschismus, Rassismus, Menschenfeindlichkeit und Antikommunismus Teil unserer Gegenwart sind.

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Die furchtbaren Verbrechen, die in deutschem Namen begangen wurden, denen z. B. während des 2. Weltkrieges 27 Mio. Sowjetbürger und 6 Mio. Juden zum Opfer fielen sowie die nach 1945 und nach 1989 in Deutschland vollzogene Entwicklung dürfen nicht vergessen werden bzw. es ist erneut dagegen Widerstand zu leisten.

Die Überlebenden der faschistischen Herrschaft, von Verfolgung, aber auch des Widerstandes haben stets angemahnt, den Kampf gegen Naziideologie, für eine gerechte, friedlichere und tolerante Welt fortzuführen.

Liebe Genossen und Freunde!

Die Nazis hatten 1933 mit der Verfolgung und Ermordung von Kommunisten, Sozialdemokraten, Christen und anderen begonnen, als ihren politischen Hauptgegnern. Deshalb ist es wichtig, daß aller Naziopfer gedacht wird, aber nicht die einen auf Kosten der anderen „übersehen“ werden. Dabei haben es Kommunisten und Sozialdemokraten verdient, an vorderer Stelle genannt zu werden, denn sie haben auch als erste gegen die Barbarei gekämpft. Es wäre gut, wenn man sich in der Erinnerungsarbeit an diese Tatsache hielte. In der heute größer gewordenen BRD ist gerade zur DDR, im Zusammenhang mit dem 65. Jahrestag ihrer Gründung und heute erst recht in Vorbereitung des 24. Jahrestages der sogenannten Deutschen Einheit, eine immer mehr gesteigerte Hetzkampagne im Gange sowie der Versuch, Geschichtsverfälschungen zu betreiben.

Die Sudelkanonade bundesdeutscher Politiker und Massenmedien gegen die DDR läuft mit Blick auf den 24. Jahrestag ihrer Einverleibung in die BRD auf Hochtouren.

Unser Staat war ein Garant dafür, solange er bestand, daß Krieg und Faschismus ausgerottet waren. Generationen seiner Bürger lernten in Schulen, arbeiteten in Brigaden, wohnten in Straßen, die den Namen von Antifaschisten trugen.

Nach der Konterrevolution von 1989 und der Einverleibung der DDR in die BRD am 3.10.1990 wurden antifaschistische Gedenkstätten abgewickelt, Straßen umbenannt, Tafeln verschwanden, wo Antifaschisten verdiente Ehrung erfuhren; die „Delegitimierung“ der DDR wurde und wird als Staatspolitik betrieben, ja sogar die Gleichsetzung der Hitlerdiktatur benannt mit dem Staat, der das Beste war, was die deutsche Arbeiterklasse bisher hervorbrachte.

Es ist doch nicht zu übersehen, daß die Lügenmärchen gerade auch im 24. Jahr der Einverleibung nur dazu herhalten sollen, von den eigenen Gebrechen abzulenken. Und das hat nicht mit Verklärung, Ostalgie oder sonst etwas zu tun. Unmißverständlich muß festgestellt werden, daß das reale Gesicht des Kapitalismus, auch in der BRD, vom Prinzip der Ausbeutung geprägt ist und nur das Wort kennt: Profitgier. Das ist verbunden mit einem rasanten Demokratie- und Sozialabbau.

Der Kapitalismus mit seinen Krisen, mit seinem menschenverachtenden System der Ausbeutung, Unterdrückung und auch flächendeckender Überwachung der Bürger, ist aber nicht das letzte Wort der Geschichte.

Deshalb ist es gerade in dieser gegenwärtigen äußerst zugespitzten Lage und Situation allerhöchste Zeit, die Aktionseinheit aller antifaschistischen, antiimperialistisch-demokratischen Kräfte endlich Tat werden zu lassen.

Von dem Buchenwaldschwur 1945 „die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln“ und der Aufbau einer „neuen Welt des Friedens und der Freiheit“ sind wir zur Zeit jedoch immer noch weiter denn je entfernt.

Denn die geistigen Erben der Nazis können heute wieder ihren Ungeist verbreiten, was einer Verhöhnung der Opfer und Überlebenden des Faschismus gleichkommt.

Dieser Tag und die Ehrung der Opfer des Faschismus soll mit dazu beitragen, uns zu ermutigen, uns immer wieder von neuem einzumischen und den Kampf gegen dieses menschenverachtende System generell, zielstrebig weiterzuführen.

Bewahren wir dabei den antifaschistischen Widerstandskämpfern sowie allen Opfern des Faschismus stets ein ehrendes Gedenken.

Anschließend wurden unter Abspielung des bekannten Liedes „Die Moorsoldaten“ die Blumengebinde – trotz der unsäglichen „Schotterpiste“ - am Fuße des Denkmals niederlegt. 

 

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